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Das Zentralmatura steht umgangssprachlich für die Standardisierte Kompetentzorientierte Reifeprüfung. So heißt im Amtsjargon die Reifeprüfung an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (kurz AHS). Das Zentralmatura besteht seit dem Schuljahr 2014/15 an den AHS, seit dem Schuljahr 2015/16 wird auch die Reife- und Diplomprüfung an Berufsbildenden höheren Schulen (BHS), die Hochschulreife mit kombiniertem Berufsabschluss zentralisiert geleistet.

Argumente für die zentrale Prüfungsstellungen ist in erster Linie die Vergleichbarkeit, die ansonsten durch beispielsweise schuleigene Schwerpunkte verringert werden kann. Das im Härtefall sogar Absprachen getroffen werden könnten, ist so ebenfalls nicht weiter möglich.

In beiden Fällen besteht das Zentralmatura aus drei Komponenten, die voneinander unabhängig bewertet werden.

Diese drei Komponenten sind die mündliche und die schriftliche Maturaprüfung, zusätzlich muss eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA, machmal auch Diplomarbeit genannt) geleistet werden. Die Gesamtleistung setzt sich dann zu gleichen Teilen aus den Einzelergebnissen zusammen.

Die erste (vor)wissenschaftliche Arbeit

Die vorwissenschaftliche Arbeit kann in jedem Fach geschrieben werden, dass mit mindestens vier Wochenstunden angeboten wurde. Das Betreueungsverhältnis von Lehrern zu Schülern ist auf 1 zu normalerweise 3 (maximal 5) begrenzt, um eine optimale Betreuung des Maturierenden zu gewährleisten. Das Thema der VWA muss der Schüler in der 7. Klasse selbst wählen bzw. erarbeiten. Ein Lehrer darf einen anfragenden Schüler nicht ablehnen, kann jedoch dessen Thema verwerfen. Hier ist es insgesamt sehr ratsam, sich an der Erfahrung und den Hinweisen der Lehrkräfte zu orientieren. Zu Beginn einer jeden vorwissenschaftlichen Arbeit muss der Schüler einen Erwartungshorizont einreichen, in dem Thema, persönliche Impulse, erste Literatur und eine ungefähre Gliederung angegeben werden muss.

Da die Vorgaben des Bundesministeriums für Unterricht eine konkrete Erwartung an die Länge der VWA formulieren (40.000 bis 60.000 Zeichen, als Fließtext formuliert) sind etwa Schüler, die beispielsweise im geometrischen Bereich der Mathematik maturieren, im Nachteil. Ähnliches ist für andere naturwissenschaftliche Fächer mit hohem darstellenden Aspekt denkbar. Die Handreichungen des Ministeriums schlagen darüber hinaus etwa auch die Einhaltung eines bestimmten Aufbaus vor, dieser enthält ein neben dem Abstract, einer prägnanten Inhaltsangabe, in dem ein Abriss des Themas ohne Interpretation oder Analyse dargestellt ist, und dem Hauptteil auch ein Vorwort und ein Literaturverzeichnis, ferner ein optionales Glossar beziehungsweise einen Anhang. In jedem Fall muss in dem Abstract eine konkrete Fragestellung formuliert sein, die dann bearbeitet wird.

Die Schriftlichkeit – Worte sind geduldig

Der zweite Teil der Matura besteht aus zentral angelegten schriftlichen Leistungsnachweisen, dabei muss von den Schülern in jedem Fall eine Prüfung in den Fächern Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache geleistet werden. Ein viertes Fach kann entsprechend der eigenen Schullaufbahn und den individuellen Stärken belegt werden, hier empfiehlt sich der Blick in vorangegangene Zeugnisse. In Frage kommen grundsätzlich alle Fächer, in denen während der Oberstufe Schularbeiten verfasst wurden.

In einigen Fächern werden vom Lehrer selbst verfasste Prüfungen gestellt (Biologie, Musik, Informatik, Physik, Sport, Darstellende Geometrie), während in anderen Fächern Prüfungen vom Ministerium erstellt werden (Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch, Latein, Russisch, Spanisch). Die Schriftlichkeit dauert in den Fremdsprachen fünf Stunden, in Mathematik dauert die Klausur viereinhalb Stunden, in allen anderen Fächern vier Stunden. Bei schlechten Ergebnissen in der zweiten Komponente der zentralen Maturität können sogenannte Kompensationsprüfungen, zentral erstellte mündliche Zusatzprüfungen belegt werden. Diese Möglichkeit bedeutet zwar eine zusätzliche Lernbelastung, bessert aber die eigentliche Note auf, ohne, dass dies auf dem Reifeprüfungszeugnis später ersichtlich ist.

Die Prüfungskommission besteht aus dem Vorsitzenden der Prüfungskommission, dem Schuldirektor, dem Klassenvorstand und dem eigentlichen Prüfer, dem Fachlehrer. Der Vorsitzende der Prüfungskommission ist bei der Notenvergabe nicht stimmberechtig.

Die mündliche Maturaprüfung – Reden ist Gold

Die Zahl der mündlichen Prüfungen, der dritten Komponente des Zentralmaturas, hängt von der Zahl der bereits belegten schriftlichen Prüfungen ab. Hat ein Schüler vier Klausuren geleistet, muss er nur zwei mündliche Prüfungen belegen. Hat er drei Klausuren, muss er drei mal mündlich antreten. Mögliche Prüfungsfächer sind alle Fächer, die während der gesamten Oberstufe mit mindestens vier Jahreswochenstunden belegt wurden.

Für die konkrete Prüfung zieht ein Schüler aus einem Themenkatalog zwei Bereiche des jeweiligen Fachs, davon darf er dann einen auswählen. Die Anzahl der möglichen Themen ist Fachspezifisch, etwa gibt es Ausnahmen für Fächer mit Praxisteil, wie der Physik. Maßgeblich für die Themenzahl ist jedoch die Anzahl der Wochenstunden im Verlaufe der Oberstufe.
Der Prüfer bestimmt dann die Fragestellungen zum gewählten Thema, die im Fachkollegium zuvor vorbereitet wurden. Für das Prüfungsgespräch bereitet sich der Prüfling 30 Minuten auf die konkrete Frage vor, das Fachgespräch, die eigentliche Prüfung dauert dann 10 bis maximal 15 Minuten.

Die Prüfungskommission besteht im mündlichen Matura aus fünf Personen: Neben dem eigentlichen Prüfer auch aus dem Prüfungsvorsitzenden, dem Schuldirektor, dem Vorstand der Klasse und einem Beisitzenden, der fachkundig sein muss. Bei der Notenvergabe ist der Vorsitzende der Prüfungskommission nicht stimmberechtigt.

Wenn der Vorstand einer Klasse zugleich Prüfer des Schülers ist, wird er durch einen anderen Lehrer in seiner Vorstandsrolle vertreten.

Eine der drei Prüfungsteile kann einen Schwerpunkt berücksichtigen, etwa die Leistungen im Mathematikunterricht an Schulen mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt.